Wenn Geschichten Ketten sprengen

Entfesselungs-Performance und Theatershow-Momente in Groschwitz:

Die Fahrt nach Groschwitz. Wir waren sprachlos! Mit dem Frizzle-Mobil rollte unser Impro-Quintett gerade in Richtung Groschwitz (bei Rudolstadt), als sich plötzlich diese traumhafte Naturkulisse vor uns auftat. Wow! Welch Überraschungsmoment! Der Blick auf Wald und Wiesen war einfach phänomenal, der Blick auf unsere Gesichter dagegen vermutlich ein völlig verstörter. Öde und Schriller halt. „Mensch, wie wäre es, mal ganz ohne Equipment navigationslos drauf loszuziehen?!“, entgegnete Peter. Seine Augen funkelten vor Begeisterung und sein Wanderherz pochte im Gleichschritt. Doch der Euphorie setzte Thomas sogleich einen pragmatischen Stempel drauf: „Schon nicht schlecht, aber erstmal Impro.“ Auf dem Rücksitz spielte Richard derweil an seinem neuen (nennen wir es der Einfachheit halber mal) Instrument. 8-Bit-Retro Sounds strömten aus einer kleinen Plastikbox und vertonten die Kurvenfahrten bis zum Veranstaltungsort. Der akustischen Anstrengung folgte die Zieleinfahrt – natürlich mit Speaker krächzendem Bombeneffekt. Wir waren da: auf dem Parkplatz der Domäne in Groschwitz.

Erster Akt: Entfesselung auf dem Mittelaltermarkt. Unser erstes Gastspiel im Auftrag des Landessportbundes gaben wir hier in Groschwitz vor exakt 3 Jahren. Seither scheint sich nicht viel verändert zu haben. Diese Unberührtheit und Stille war nach wie vor spürbar, trotz zweier Parallelveranstaltungen mit Schlagermusik und Gesellschaftstanz. Zur Einstimmung auf den Begrüßungsakt, eine Entfesselungs-Performance auf dem Mittelaltermarkt, musste ein jeder von uns erst einmal seine Künste am Bogen unter Beweis stellen. Nun, der heilige Grahl (in unserem Falle ein Pott aus Plastik), so viel sei verraten, ging an Thomas. Hannes begann sich nach unzähligen Fehlversuchen am Bogen auf seine Rolle als Entfesslungskünstler einzustimmen. Kurze Zeit später rollte auch schon der erste Bus mit den Gästen, jungen Sportlern aus Thüringen, vor. Der Show Akt erster Teil nahm seinen Ketten sprengenden Lauf. Zauberkünstler Yorick Vanitas (alias Hannes) musste sich in zwei Vorstellungen aus einer fesselnden und verketteten Situation befreien. Auf dem Boden windend, gelang ihm dies unter Applaus der Veranstaltungsgäste beide Male. Zum Glück! Ein Schlüsseldienst verirrt sich wohl ungern an einem Freitagabend nach Groschwitz.

Collage Groschwitz

Impressionen vor dem ersten Show Akt (Entfesselungs-Performance von Yorick Vanitas alias Hannes) auf dem Mittelaltermarkt in Groschwitz. Das Treffen der Thüringer Sportjugend komplettierten wir mit einer Show und Vorstellung an improvisiertem Theater.

Zweiter Akt: Theatershow-Momente in der Remise. Nach dem Buffet fanden wir uns szenisch sogleich in der Thüringer Staatskanzlei wieder. Der dort arbeitende Protokollführer litt unter Numerophobie, der Angst vor Zahlen. Je mehr Teilnehmer ihm für einen Festakt diktiert wurden, umso labiler wurde er, bis er schließlich am Schreibinstrument zusammenbrach. Nun, wer das Publikum nach einem Raum der Emotionen und Entscheidungen befragt, sollte sich nicht gleich an Reihe eins und an den Ehrengast, Thüringens Finanzministerin Heike Taubert, wenden. Ergo Staatskanzlei. Von dieser ging es jedenfalls direkt in eine finnische Sauna, in der der Aufguss-Sachverständige pausenlos auf mehrere hundert Grad erhitzte und letztlich selbst verdampfte. Skurril und schrill – unser Geschichtenwerk beim szenischen „Wachsen und Schrumpfen“ erntete den ersten Beifallssturm. Zurück in Reihe eins, weil sich diese auch sehr nah am Bühnenrand befand, wurde nach einem globalen Problem gesucht. Ein globales Problem, welches wiederum aus einem privaten Konflikt heraus entstanden ist.

Finaler Show-Moment in Groschwitz. Für Reihe eins war das Schrumpfen der Weltbevölkerung nur dadurch zu begründen, da quantitative Ergebnisse in deutschen Schlafzimmern ausblieben. Welch heiß diskutiertes Thema, das für alle genügend Interpretationsraum offen ließ. Im fingierten Interview übersetzte Gebärdendolmetscher Hannes Gesagtes mit Händen und Füßen, und allen anderen Körperteilen. Die finale Szene (dieses Mal stammte die Vorgabe aus Reihe fünf) führte Zuschauer und Akteure in ein Yoga-Studio. Dorthin flüchtete ein von seiner Ehefrau observierter und kontrollierter Hausmann. Sein Weg der Emanzipation führte ihn direkt auf die Yoga-Matte. Im Replay wurde diese Szene mehrfach (als Reim, Tanz und Gesang) wiederholt und anders, künstlerisch wiedergegeben – natürlich mit Happy End und unter tosendem Applaus. Nach knapp einer Stunde Showprogramm traten wir die Rückfahrt gen Weimar an. Wow! Ein weiterer Überraschungsmoment beim Blick nach oben, der uns dieses Mal zum anhalten zwang: ein prall gefüllter Sternenhimmel. Gott sei Dank ging der kleinen Plastikbox von Richard in diesen Minuten der Saft aus.

 

 

 

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