Von Glühwürmchen-Sex und Bobbycar-Rennen

Re-Match in Jena vor ausverkauftem Haus: 

Unserem Gebärdendolmetscher Hannes kroch zunächst der Schweiß aus allen Poren, als er auf der Bühne des Café Wagner damit begann, ein Gespräch über paarungswillige Glühwürmchen bei Regenfall zu übersetzen. Wertung: maximaler Körpereinsatz bei kochendem Scheinwerferlicht. Im Anschluss folgte vor ausverkauftem Haus (leider haben nicht alle reingepasst) die Geschichte über Dixie-Klos für eine Hamsterfamilie via Spielerschwund (d.h. am Ende spielte ein Rababse alle Figuren). Wie schon beim ersten Aufeinandertreffen im April im Projekt Eins (Weimar) lieferten sich beide Improgruppen erneut einen vielfältig hitzig wie witzigen und für´s Publikum wiederum recht unterhaltsamen Schlagabtausch.

Re-Match

In vier Runden wurde in den Kategorien Körper, Sprache, Emotionen und Gruppenherausforderung gegen- und miteinander gespielt. In Runde zwei (Sprache) sahen die knapp 90 Zuschauer ein synchronisiertes Zusammenspiel (jeder sprach wen anders) von Lara, Friedrich und Steve (Rababakomplott) auf einem Friedhof, bevor Thomas, Hannes und Thimo (wir) per Reclam-Heft (Dramentexte mussten in´s Spiel integriert werden) die Tarifeinigung mit neuem Hammer-Kumpel in einem Bergwerk erzielten. Halbzeit! Schnell die Fenster auf für ein erfrischendes Lüftchen. Vorher noch fix die Wertung und Punkte der Zuschauer per Applausometer. Dies war das Zeichen für den Schiedsrichter des Abends (Dank an Merten von Improcoli). Sichtlich genervt trabte dieser zum Bühnenrand: „Da hätte man auch bequem Tatort gucken können. Nun das!“ Frustete er verbal gen Zuschauerohr. Mit knapper Führung für unser Männerquartett (Peter blieb im Urlaub) ging´s in die Pause.

Ein Match auf Augenhöhe, dessen Fortsetzung mit einem klingenden Glöckchen durch die Moderation (Dank an Gunnar vom Rababakomplott) eingeläutet wurde. Runde drei war emotionsgeladen: wir starteten mit einem poetischen Gruß in dreierlei Gefühlsrichtungen. Das Komplott´sche Trio steigerte sich mit Hilfe der Liebesgeschichte einer Zuschauerin in deren ersten Kuss hinein. Die Menge tobte. Kurz vor dem Finale hieß es Gleichstand. Nun folgte die letzte Runde, die Herausforderung an die jeweils andere Gruppe. Wir bekamen von den Rababsen* ein Hörspiel mit dem Titel Kommissar Rex (nicht der Hund) vor die Nase gesetzt. 5,4,3,2,1.. Los! Jeder im Saal des Café Wagner lauschte gespannt und hatte (vermutlich) beide Augen geschlossen. Kommissar Rex – unbegabt an der Waffe – hatte bei einer Schiessübung am heimischen Gartenzaun Dido, den Hund des Bürgermeisters, versehentlich abgeknallt und vergraben. Der Geist des Vierbeiners erwachte nun und trat seinen Rachefeldzug gegen das Ehepaar Rex an. Ein akustisches Spannungswerk, welches das Publikum entsprechend honorierte.

Das große Finale bildete unsere Herausforderung an das Rababakomplott: eine Geschichte über einen Nachbarschaftsstreit im Sudden-Song-Modus (bei einsetzender Musik musste gesungen werden). Der Balkon-Zwist wurde vom anfänglichen Eierwurf auf ein Bobbycar-Rennen ausgeweitet. Ein musikalisches Vergnügen, bei dem unser Stummfilmpianist Richard das Tempo seiner Musikeinsätze wie gewohnt immer weiter anzog. Deutlich wurde dies beim Renn-Refrain: „Bobbycar, Bobbycar, Bobbycar, Bobbycar.“ Spätestens bei diesem doch sehr schwungvollem Lied und Zungenbrecher hob es auch den letzten Zuschauer aus seinem Rennsitz und ein kollektives Klatschen erfolgte im Takt. Welch Finale! Nach über zwei Stunden Theatersport und einem fulminanten Showdown hatten wir zwar mehr Punkte auf dem Konto, der große Gewinner dieses Abends war jedoch das Publikum. Welches alle Beteiligten (Spieler, Musikanten, Moderator, Schiedsrichter, Techniker & Co.) noch einmal gebührend zu verabschieden wusste.

*Rababsen = Spieler des Rababakomplotts

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